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BACHS CDUR-ORCHESTER-SUITE
Ob die als Nr 1 der vier Orchester-Suiten Bachs gewöhnlich bezeichnete in C dur noch aus seiner Coethener Zeit stammt oder erst in Leipzig, wo er von 1729 bis 1736 den Telemannschen Orchester-Verein dirigiert hat, entstanden ist, wissen wir nicht. Die Originalhandschrift ist verschollen; dagegen sind die Stimmen, die wohl seinerzeit in Leipzig von Bach benutzt worden sind, noch erhalten; sie sind aus dem sogenannten Hamburger Bach-Archiv, dem Besitz Karl Philipp Emanuel Bachs, von Georg Foelchau seinerzeit erworben und später mit dessen meisten musikalischen Schätzen im Jahre 1841 in die jetzige Preußische Staatsbibliothek (frühere Kgl. Bibliothek) in Berlin gelangt. Aus diesen Stimmen, denen ursprünglich fehlende Bogenbezeichnungen später gelegentlich bei Benutzungen hinzugefügt sind, hat S. Dehn das Werk 1853 in Partitur und Stimmen erstmalig bei C. F. Peters in Leipzig herausgegeben. Seine Annahme aber, dafe die Überschriften einzelner Sätze von Bach selbst herrühren, läßt sich nicht aufrecht erhalten; diese Stimmen sind durchweg von einem Kopisten Bachs, der sich C. G. M. unterschrieben hat und dem Namen nach nicht bekannt ist, angefertigt worden. Sie tragen folgenden Gesamttitel: ,.Ouvertureä2Hautbois,2 Violini, Viola, Fagotto con Cembalo di Johan Sebastian Bach".
Als dann Alfred Dorf fei 1881 alle vier Suiten in der großen Gesamtausgabe Nr. 856 B.E.
Bachs (Jahrgang 31,1) herausgab, übernahm er aus Stimmen, die ursprünglich der Beriiner Singakademie gehört hatten, seit 1854 sich aber auch in der jetzigen Preußischen Staatsbibliothek befinden, die Bezifferung des Cembalos, die sich in den Stimmen des Bach-Archivs nicht findet und die vielleicht gar nicht einmal auf Bach zurückgeht. Diese Stimmen der Singakademie sind sehr viel jüngeren Datums. Ein Irrtum Dörffels aber war seine Annahme, daß sie aus einer früher Poelchau gehörenden, auch in der Preußischen Staatsbibliothek ruhenden Partitur (die m. E. kaum vor 1800 geschrieben ist) ausgezogen sind; dieser Partitur fehlt gerade die Bezifferung des Cembalos. Sollte man annehmen dürfen, was sehr wohl möglich ist, daß diese Partitur auf die Originalhandschrift zurückgeht, so hätte diese keine Bezifferung gehabt.
Für die vorliegende Ausgabe, bei der die gleichlautenden Stellen einzelner Stimmen möglichst zusammengezogen, also nicht auf verschiedenen Systemen doppelt oder dreifach, ausgedruckt sind, sind die Hamburger Stimmen in ihrer ursprünglichen Gestalt zugrunde gelegt, die Bezifferung des Cembalo aus den Singakademie-Stimmen übernommen worden, die auch noch einmal verglichen worden sind. Gleichmäßigkeit der Phra-sierung ist nicht angestrebt worden, da ja diese kleine Partiturausgabe nur zum Nachlesen, nicht für den praktischen Gebrauch des Dirigenten bestimmt ist.
4645 Ernst Eulenburg, Leipzig-Wien.