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Paul Brandt - Sehen und Erkennen [antikvár]

Sehen und Erkennen [antikvár]

Paul Brandt

 
Aus dem Vorwort zur ersten Auflage Der Verfasser will seine Leser auch in der Kunst den Weg führen, den jeder einzelne von uns in seiner Entwicklung naturgemäß geführt wird, den Weg von Gebundenheit zur Freiheit. Daher geht er aus von der Baukunst, die trotz ihrer monumentalen Würde immerhin an bestimmte äußere Zwecke und Gesetze gebunden ist. Es folgt die Plastik, auch sie eine von den Gesetzen des Materials und der Schwerkraft nodi nicht ganz gelöste, im übrigen freischaffende Kunst, und endlich die freieste unter den bildenden...
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Aus dem Vorwort zur ersten Auflage Der Verfasser will seine Leser auch in der Kunst den Weg führen, den jeder einzelne von uns in seiner Entwicklung naturgemäß geführt wird, den Weg von Gebundenheit zur Freiheit. Daher geht er aus von der Baukunst, die trotz ihrer monumentalen Würde immerhin an bestimmte äußere Zwecke und Gesetze gebunden ist. Es folgt die Plastik, auch sie eine von den Gesetzen des Materials und der Schwerkraft nodi nicht ganz gelöste, im übrigen freischaffende Kunst, und endlich die freieste unter den bildenden Künsten, die Malerei; nur bei Michelangelo war Bildhauer und Maler nicht zu trennen. Das zwischen Architektur und Plastik eingeschobene Intermezzo soll an einer Reihe dekorativer Werke, die an beiden Gattungen teilhaben, die allmähliche Verschiebung des Schwerpunktes von jener Seite auf diese darstellen und so auf die Plastik vorbereiten. Innerhalb der Plastik ferner hat es sich dem Verfasser seit langem als zweckmäßig erwiesen, nicht von dem vieldeutigen, immer neue Flächen und Umrißlinien darbietenden Rundwerk, sondern von dem an einen Hintergrund gebundenen, eindeutigen Relief auszugehen. Dem leitenden Grundsatz entspricht es auch, wenn in Plastik und Malerei dem Aufbau der Gruppe und der Einordnung in einen gegebenen Rahmen nachgegangen wird. Das Ubergewicht solcher formalen Gesichtspunkte in der großen italienischen Kunst legte indessen die Pflicht auf, für die besonderen Vorzüge der Kunst des germanischen Nordens, für ihren Ernst und ihre Wahrhaftigkeit, ihre Innigkeit und Gedankentiefe nadidrücklich einzutreten. Andere ideelle und formale Gesichtspunkte endlich erlaubten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, bis zur Gegenwart vorzudringen. Aber außer jenem stufenweisen Aufbau von Gebundenheit zur Freiheit war dem Verfasser ein Zweites aufgegangen, daß es für die Erschließung des Kunstverständnisses nicht sowohl gelte, Kunstgeschichte mit Namen und Daten in lückenloser Folge zu geben als vielmehr an wenigen großen Werken in das Sehen, Erkennen und, fügen wir hinzu, Empfinden der Kunstformen einzuführen. Das leistet am sichersten der Vergleich. Der Vergleich sagt viel ohne Worte, er macht auch den Stummen beredt, mögen die Vergleichspunkte formeller oder gegenständlicher Natur sein, mögen die verglichenen Kunstwerke eine fortlaufende Entwicklungsreihe oder entgegengesetzte Pole bilden, mögen sie endlich gleichen oder verschiedenen Zeiten und Völkern entstammen. Auch braucht es sich dabei keineswegs jedesmal um historische Zusammenhänge zu handeln; gerade wo jeder Zusammenhang ausgeschlossen ist, treten die der Kunst innewohnenden Gesetze um so klarer hervor. Doch nur, wenn er unmittelbar aus dem Bilde zu Auge und Herzen spricht, vermag der Vergleich seine volle Wirkung zu entfalten. Daher die freilich mühevolle Anordnung, daß das zu Vergleichende mit einem Blick zu überschauen ist, daß nidits sich zwischen Bild und zugehörigen Text drängt. Zur Einordnung des einzelnen in die zeitliche Folge diene die Zeittafel. So möge das Buch recht vielen Freunden der Kunst und solchen, die es werden wollen, das Sehen und Erkennen erleichtern und ihnen helfen, sich emporzuschwingen in das ahnungsvolle Reich, wo die Seele zum nachschaffenden Genuß des Schönen nur ihrer selbst bedarf. Düsseldorf, im Oktober 1910 Paul Brandt

Termékadatok

Cím: Sehen und Erkennen [antikvár]
Szerző: Paul Brandt
Kiadó: Alfred Kröner Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 190 mm x 260 mm
Paul Brandt művei
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