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Das Leben als Wanderung
In der Weisheit Salomonis ist unter anderem folgender tiefgründiger Satz zu lesen: »Das Leben ist eine Wanderung«. Goethe notierte 1823 bei der Zusammenfassung seines ereignisreichen Lebens in sein Tagebuch: »Unser Leben ist eine Wanderung«. In den Maximen des Herzogs La Rochefoucauld findet man diese Beobachtung: »Betrachtet man es recht, so ist unser Leben eine Wanderung: mit unerwarteten Fernsichten, Wegbiegungen, Ruheplätzen und einem Ziel, das wir nicht kennen.« In einer alten Ausgabe des Wiener Satireblattes Fliegende Blätter ist folgender Gedankensplitter zu lesen: »Unser Leben-eine Wanderung«. Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es einen beliebten österreichischen Operettenschlager, dessen Refrain sich folgendermaßen anhörte: »Das Leben ist ein Wandern, von einem Tag zum andern.«
In Kenntnis all dessen vergleicht Egon Friedell in seinem 1922 erschienenen Essay Steinbruch das Leben ebenfalls mit einer Wanderung, wobei er die Frage, für wen man ihn nach alldem halten soll: für einen Salomen, einen Goethe, einen La Rochefoucauld, einen Gedankensplitterer oder ganz einfach für einen Geistesgestörten, auf raffinierte Weise offenläßt.
All dies habe ich in meinem 1996 erschienen Essayband Kunstwelt in einer etwas anderen Form bereits beschrieben, also kann es als mehrfaches Zitat angesehen werden: ich habe mich zitiert wie ich Friedell zitierte, der wiederum Salomon, Goethe, La Rochefoucauld, ein Wiener Satireblatt und einen österreichischen
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