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über den heutigen Abend
ÜBER DEN HEUTIGEN ABEND
Die Geschehnisse um die französische Königin Marie Antoinette, die in der Geschichte Franlreichs el^enso verwurzelt ist wie in der Österreichs, sind über die Jahrhunderte hinweg Teil eines kollektiven Gedächtnisses geworden. Dieser Bekanntheitsgrad verleitet dazu, das Ausmaíá der Tragödie zu vergessen. Ein neuer Blick auf die Ereignisse, die politischen ebenso wie die privaten, bringt einmal mehr das Geschehen zu Tage, das in seiner ganzen Tragik nur mit einer griechischen Tragödie zu vergleichen ist: eine österreichische Erzherzogin, Tochter Maria Theresias, wird - noch als halbes Kind - an den französischen Thronfolger, den späteren König Ludwig XVI., verheiratet, gerät dort in den Strudel der politischen Ereignisse und wird vom Volk als Verantwortliche für das Unverständnis seiner Bedürfnisse zur Rechenschaft gezogen. Sie wird zum Opfer für ein von Generationen von Herrschern vor ihr begangenes Unrecht und stirbt schiieíálich, nachdem schon der König zum Tod verurteilt und hingerichtet wurde, durch die Guillotine.
In seiner Sicht auf Marie Antoinette geht es Patrick de Bana nicht um eine Chronik der historischen Ereignisse. Eingeleitet vom personifizierten Schicksal, das auch die Zeit symbolisiert, sowie vom Schatten der Protagonistin, werden in Momentaufnahmen die seelischen Zustände von Marie Antoinette gezeichnet. Schicksal und Schatten begleiten voraussagend und kommentierend die Geschehnisse. Zunächst noch umgeben von den Angehörigen des Hofs - darunter Graf Mercy der Verbündete Maria Theresias -, dann von einigen wenigen Getreuen - ihrer Schwägerin Madame Elisabeth und ihrem Vertrauten, dem schwedischen Grafen Axel von Fersen -, gerät Marie Antoinette in immer gröf^ere Einsamkeit, Die imaginären Gestalten der zentralen Bezugspersonen ihres Lebens, ihre Mutter und der Ehemann, begleiten sie schließlich in den Tod. Die Würde ist das Einzige, was ihr geblieben ist. Als musikalische Grundlage für das Ballett „Marie Antoinette" - dieser Stoff wurde bisher in Wien noch nie auf die Ballettbühne gebracht - dienen Patrick de Bana hauptsächlich Kompositionen von Zeitgenossen der überaus kunstsinnigen Königin. Dazu kommt eine Auftragskomposition von Luis Miguel Cobo für die nicht realen Figuren „Schicksal" und „Schatten der Marie Antoinette".