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Der Unterschied
Harry ist ein entfernter Onkel von mir. Mit vollem Namen heißt er Harry Klein. Eines Tages — es ist noch nidit allzu lange her —, emigrierte er nadi Amerika, um die gleidhe Zeit, da idi nadi Israel ging. Harry war das, was man einen »guten Juden« nennt, aber er war kein Zionist. Deshalb ging er ja audi nach New York.
Überdies war Harry ein sehr naiver Mensdi. Er hielt sich für einen ausgezeichneten Geschäftsmann und glaubte fest daran, daß er nur in Amerika zu landen brauchte — und die Dollars würden in seine Taschen zu fließen beginnen. Kaum war er in Amerika gelandet, begannen die Dollars in seine Taschen zu fließen. Was sollte ich tun? Es blieb mir nichts anderes übrig, als ihm mit bescheidenem Stolz zu schreiben, daß ich in Israel zwar nicht auf Rosen gebettet wäre, aber keinerlei Mangel litte. Was sollte er tun? Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mir keine Pakete mehr zu schicken. Unsere Meinungsverschiedenheiten kamen zum offenen Ausbruch, als ich anläßlich eines Besudis In New York für ein paar Tage bei meinem entfernten Onkel Harry abstieg. Die permanente Nahostkrise hing drohend über uns, und Harry wich um kein Jota von seinem Standpunkt: »Jedes Jahr bekommt ihr meine Spende. Regelmäßig. Aber ich will Mumpitz heißen, wenn ich eine Ahnung habe, wozu das gut sein soll. Was ist denn so großartig bei euch dort unten? Hast du dort irgend etwas, was ich hier in New York nicht habe?«
»Idi fühle mich dort unten sehr wohl«, stellte ich fest.
»Und ich fühle mich hier sehr wohl«, antwortete er. »Was ist
der Unterschied?«
»Ich lebe unter zwei Millionen Juden.«