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Keiner wagte, den Stein zu werfen
Kein Mensch weiJ3, wann es genau geschah. - Die Bibel-Experten sprechen von einer unsicheren Überlieferung, die sich nur im Johannes-Evangelium findet, und auch dort nur in den jiängeren Handschriften. Aber eine bloße Erfindung i^ann die Geschichte nicht sein - zu genau paJ3t sie zu all dem, was wir von Jesus wissen. Hätten wir nur den Mut, nach dieser Geschichte zu leben, sie würde die Verhältnisse zwischen Menschen nachhaltiger verändern als jede politische oder soziale Revolution. Es wird erzählt^, daß sie eine Frau zum Rabbi Jesus schleppten, als er gerade im Jerusalemer Tempel die Schrift auslegte. Schwer atmend, aber zufrieden mit ihrem Fang, bauten sie sich im Kreis um ihr Opfer auf und brachten die Anklage vor: „Meister,
diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt." Was er denn zu diesem Verbrechen zu sagen habe? Es sei üblich, „solche Frauen" zu steinigen.
Schlau hatten sie sich das ausgedacht. Jetzt saJ3 er in der Klemme. Schlug er sich mit irgendwelchen Mitleidsappellen auf die Seite der Sünderin, so war er als Verächter des Gesetzes überführt. Gab er ihnen aber recht und die Frau dem Tod preis, konnte es mit seiner Predigt der grenzenlosen Liebe Gottes wohl nicht so weit her sein. Doch wieder einmal verhielt sich der Wanderrabbi aus Nazaret ganz anders, als man es erwartet hatte. Zunächst geschah gar nichts. „Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde." Als sie ebenso verunsichert wie hartnäckig auf einer