Bővebb ismertető
HOMILETISCHE PLAUDEREIEN
Von Max Kassiepe OMI in Essen-Borbeck
Etwas über Sprechkunst
Ein Stiefkind der homiletischen Ausbildung war fast immer die richtige Stimmbildung und die Kunst des leicht verstándlichen und be-seelten Vortrags. Nicht umsonst hat das Volk von Konstantinopel den heiligen Bischof Johannes „Goldmund-Chrysostomus" und das von Ravenna den heiligen Petrus „Goldredner-Chrysologus" genannt. Die Kirche wünscht Edelmetall für die Feier der heiligen Geheimnisse. Gott hat auch in den Mund seiner Priester das Edelmetall, das klin-gende Gold der Stimme, gelegt. Deshalb sollte jeder Priester ein „Goldmund" sein zum Lobé Gottes und zur Erbauung des christlichen Volkes, da er doch das Heiligste und Wichtigste auszusprechen hat, was es überhaupt gibt.
Sdion bei der Weihe zum Lektorát wurde uns d'e treue Hut und die Mittei-lung der heiligen Texte der göttlichen Oífenbarung übergeben. Die Weisung: „distincte et aperte proferre ad intelligentiam et aedificationem fidelium" be-zieht sich zunáchst auf den körperlichen Gebrauch der Spradie, mit aller Natür-lidikeit einer gut geschulten Stimme, mit Klarheit des Ausdrucks, mit der aus Verstándnis und Empfindung des Sprechenden sich ergebenden Betonung. Das alles habén wir in den Jahren unserer Vorbereitung zum Priestertum sorgfaltig geübt. Die Schwierigkeiten ergeben sich meistens erst spáter in der Praxis. Táglich oft stundenlang Unterricht erteilen, alle Sonntage, vielleicht nach er-müdendem Beichthören oder auf entfernten Filialen und nüchtern mehrere Male predigen, ist etwas anderes, als im Seminar mit ausgeruhter Stimme ein-mal eine Probepredigt haltén. Es genügt, dafi man oft mit starker Erkáltung oder sonstigem körperlichen Unwohlsein predigt, um sich allmáhlich ein lásti-ges Halsleiden zuzuziehen und eine früher klangvolle Stimme zu ruinieren.
Deshalb wird es nicht unangebracht sein, in einem für praktische Seelsorger bestimmten Predigtwerk einiges darüber zu sagen, wie man auch in seinem spáteren Priesterleben auf sich selbst acht geben und von anderen lernen kann, was es heifit: „Distincte et aperte proferre." Wir brauchen nicht ángstlich um unsere Gesundheit besorgt zu sein; aber wir habén als Herolde und Soldaten Christi die Pflicht, uns möglichst vollkommen und möglichst lange in seinem Dienste leistungs-fáhig zu erhalten.
Mit der rein áufierlichen Sprechkunst alléin ist es aber nicht genug, wenn unsere Sprache nicht eine zweite, mehr innerliche Forderung er-füllt: Die Knüpfung seelischer Berührung zwischen dem Prediger oder Vorleser und den Hörern. Eine technisch und kiinstlerisch noch so voll-endete Sprache ohne tieferes Durchdrungensein von der Bedeutung des gelesenen oder gesprochenen Wortes láftt die Zuhörer kait. „Das ge-schriebene Wort", sagt einmal Hieronymus, „ist gewissermaíten schein-tot; es mufi erst wieder zum Leben erweckt werden. Das ist die geheim-