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nde des Jahres 1000, als sich die christlichen Länder Europas auf die Feier des ersten Milleniums der ^Geburt des Erlösers vorbereiteten, hielten die Vornehmen der Völker des Karpatenbeckens nach der Zukunft Ausschau. Sie erwarteten vom höchsten Vertreter der Christenheit für kirchliche und weltliche Belange die Bestätigung, Gézas Sohn Vajk, der schon bei der Taufe den „krönenden" Namen Stephanos erhalten hatte, zum König krönen zu dürfen. Es blieb keine Aufzeichnung darüber erhalten, wann diese Feierlichkeit stattfand. Lediglich die Regieningszeit König Stephans (István) - 38 Jahre, 7 Monate und 15 Tage - und sein Todestag (15. August) lassen sich zu Rückschlüssen auf den Zeitpunkt heranziehen. Wenn dieser Regierungszeitraum genau ist, dann wird die Krönung für den 1. Januar 1001 oder - unter Beach-mng des im 11. Jahrhundert abweichenden Jahresbeginns - für Weihnachten anberaumt worden sein. (Letzteres wäre eine bewußte Ausrichtung nach Karl dem Großen, der Weihnachten zum Kaiser gekrönt wurde.) Die Stätte der Zeremonie wird die zu Ehren des Märtyrers St. Stephanos enichtete Kirche in Esztergom gewesen sein.
Die Krönung und damit die Gründung des christlichen ungarischen Könignims bedeutete den Höhepunkt eines drei Jahrzehnte andauernden Prozesses. Der Initiator war Fürst Géza, der kurz nach seiner Machtergreifung 973 eine Verbindung zum deutschen Kaiser Otto L suchte: Zwölf ungarische Würdenträger trafen als Abgesandte in Quedlinburg ein, wo der Kaiser am 23. März Ostern feierte. Wir wissen nicht, worüber sie konferierten, jedenfalls resultierte daraus, daß missionierende Priester nach Ungarn kamen und sich der Fürst kurz darauf taufen ließ. Später warb er erfolgreich für seinen Sohn um die Hand der bayerischen Prinzessin Gisela, der Nichte des Kaisers. Die deutsche Herzogstochter stellte das Zeichen einer einzigartigen Kontaktaufnahme zum Land eines damals noch halbheidnischen Volkes dar. Es war nicht Sitte, Prinzessinnen der kaiseriichen Familie einem „barbarischen" Fürsten - der damals nicht einmal im westlichen Sinne als König galt - zur Frau zu geben. Die weiblichen Mitglieder der sächsischen und salischen Herrscherhäuser konnten nur selten Ehen außerhalb des Herrschaftsgebietes schließen: Wenn sie nicht aus politischen Gründen in den Ehestand traten, beendeten sie ihr Leben als Äbtissin in den Reichsklöstern von Essen, Quedlinburg oder Gandersheim. Auch Gisela sollte Ordensschwester werden. Für die Prinzessinnen des 10. und 11. Jahrhunderts hat man nur zweimal Ehepartner außerhalb des Reiches gewählt - und dies in beiden Fällen aus
dem Haus der Arpaden (dem ersten Königsgeschlecht der Ungarn). So wurde 995 die Cousine zweiten Grades von Kaiser Otto III., Gisela, die Frau König Stephans, und 1058 durch die Veriobung des Thronfolgers Salomen (Salamon) mit der Tochter Kaiser Heinrichs Hl. eine Ehe geschlossen.
In der ungarischen Geschichte bedeuten die auf die Quedlinburger Beratungen folgenden Jahrzehnte einen schicksalsän-demden Zeitabschnitt. Dem Vater und dem Sohn, dem Fürsten Géza und dem König Stephan, gelang es erfolgreicher wie keinem benachbarten Land sonst, ihr Volk in die Reihe der europäischen Königtümer einzugliedern. In der damaligen Zeit bedeutete es eine einmalige Leistung, an der Ostgrenze des Heiligen Römischen Reiches - dem deutschen Kaisen-eich - ein unabhängiges Königtum zu errichten. Es gelang, ein solches Königreich zu organisieren, daß sich als dauerhaft erwies: Die Institution des Königs wurde nie in Frage gestellt, und äußere Umstände konnten seine Existenz nicht beeinflussen. (Die Erbbarkeit des königlichen Titels des an der Spitze stehenden Herrschers hat man weder in Polen noch in Böhmen im 11. und 12. Jahrhundert erreicht. Auch an der Spitze Kroatiens trugen nur ungarische Könige kontinuierlich den Königstitel.)
Nicht nur die weltliche Macht wurde selbständig, sondern auch die Kirche hat sich Unabhängigkeit erstritten: Die ungarische Kirchenorganisation gehörte direkt zu Rom. Diese Aus-nahmesituarion zeigt sich gut darin, daß die errichteten Bistümer der skandinavischen Königreiche bis zum 12. Jahrhundert dem Bremer, die böhmische Kirche dem Prager Erzbistum und - ab 1344 - dem Mainzer Erzbischof unterstellt waren. Ohne die Errichtung einer Kirchenorganisation - Erzbistum und die dazugehörenden Bistümer - hätte das christliche Königmm nicht existieren können. Nachdem Esztergom im Jahre 1001 Erzbistum wurde, ist anzunehmen, daß die Bekehrung des Volkes zum christlichen Glauben schon Fortschritte gemacht hatte. Die Gründung einer kirchlichen Organisation konnte nur dann stattfinden, wenn ein bedeutender Anteil der Bevölkerung getauft worden war. Ein deutscher Annalenschreiber, Thietmar von Merseburg, erwähnte in einem Atemzug die ungarische Kirchenorganisation, die Gründung der Bistümer und die das Zustandekommen des Königtums bedeutende Krönung, indem er sich wie folgt ausdrückt: „Der Bistümer gründende Vajk, der aus der Gnade des Kaisers und auf dessen Ansporn Segen und Krone gewonnen hat". Die Krone ist das Zeichen der königlichen Macht, der Segen - die benedictio-ist dagegen ein Teil der kirchlichen Zeremonie und könnte sich auf die Salbung beziehen. Nachdem
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