Bővebb ismertető
Die Meinung ist weit verbreitet, die Arzneimittelforschung sei hinsichtlich ihrer Aufgaben und Methoden eine nur etwa hundert Jahre alte, somit eine ziemlich junge VVissenschaft. Sie erreiohte ihre groBartigen, ja bisweilen sogar geradezu unglaubhaft anmutenden Resultate - insbesondere in den letzten Jahrzehnten - durch das Zusammenwirken vieler Zweige der naturwissenscliaftlichen Forschung, durch die Zusammenarbeit von Chemikern, Pliarmakologen und Árzten sowie durch die Auswertung der Forschungsergebnisse für die praktische Heilkunde. Es ware indes ein groBer Irrtum, zuglauben, daB sich die Forscliungsarbeiten der letzten zwei bis vier Generationen nicht auf die der Vergangenheit stützten. Denn um die Erforschung von Medikamenten, um Mittel zur Heilung der Kranken oder zur Liriderung ihrer Leiden zu finden, hat man sich zweifellos seit jeher bemüht. Jede Epoche hat ihren Anteil an dieser Arbeit geleistet. Die Arzneimittel und Heilverfahren entsprachen den Vorstellungen der einzelnen Zeitalter über dio Krankheiten und den jeweiligen naturwissenschaftlichen Kenntnissen. So wie sich die Auffassungen über die Ursachen der Krankheiten wandelten, wechselten auch die Mittel und Methoden zu ihrer Bekámpfung. Die Geschichte der Arzneimittelforschung ist daher ein sehr charakteristiseher Abschnitt der allgemeinen Kulturgeschichte. Diese Gedanken leiteten mich bei der Abfassung des Buches, das nur ein skizzenhaftes Bild von dem jahrtausendealten Bestreben zu geben vermag, eines der wichtigsten Probleme der Menschheit mit den vielfáltigsten Mitteln zu lösen. Die Monographie bringt eine Darstellung der einzelnen Entwicklungsphasen vom medizinischen bzw. pharmakologischen Standpunkt aus und zeigt, wie die tausendjáhrige Empirie über die exakten wissenschaftlichen Versuche den Boden für die groBen Erfinder vorbereitete. Ich war bestrebt, die wicbtigsten Erkenntnisse von den Anfángen ihrer Entwicklung und in ihren Zusammenhangen aufzuzeigen. Am deutlichsten veranschaulicht vielleicht die chronologische Tabelle den Wechseí der Mittel und Zielsetzungen in den einzelnen Zeitepochen. Die Jahrhunderte wáhrende langsame Entwicklung wird Mitte des vorigen Jahrhunderts von einem sich standig beschleunigenden Fortschritt abgelöst, der viele Aufgaben wohl endgültig gelöst und auf anderen Gebieten weitere Wege der Entwicklung klar aufgezeigt hat. Wie sehr ich auch bemüht war, meine Ausfíihrungen auf zahlreiche Literaturangaben und Aufzeichnungen zu stiitzen, kann ich dennoch nicht bestreiten, daB sie eine gewisse subjektive Fárbung zeigen. Meine Forschungsarbeit begann ich, als infolge der machtigen Entwicklung der organischen Chemie um die Jabrhundertwende die Pharmakologie und damit. auch die Arzneimittelforschung einen machtigen Aufschwung nahm; ich war nicht nur deren Zeuge, sondern habe an ihr auch bis zuletzt aktiv teilgenommen. Ich war Zeuge einzelner neuer Vorstellungen, der Freude und Hoffnungen hinsichtlich ihrer Erfolge, beobachtete aber gleichzeitig auch das zuweilen rasche Verschwinden von Medikamenten, die groBe Hoffnungen ausgelöst liatten. Verstandlicherweise habe ich daher als Zeitgenosse die Entwicklung einzelner Fragen mit dynamischer Voreingenommenheit beobachtet. VVas die Darstellungsweise und Einteilung des Materials anbelangt, so habe ich das Material nach pharmakodynamischen Gesichtspunkten gruppiert, wobei jedoch bisweilen Ausnahmen gemacht werden muBten; so muBte ich z. B. nach dem unter den Antipyretica besprocbenen Chinin die Chemotherapie der Malaria erörtern, weil diese beiden Indikationsgebiete auch historisch zusammengehören und die Auswertung der Literatur dies ebenfalls rechtfertigte. Die Wandlungen in der Pharmakotherapie in den letzten hundert Jahren veranschaulichen die seither erschienenen pharmakologischen Lehrbücher von Buchheim (1859), Troxjsseau (1862), Balogh (1866), Husemann (1874), Binz (1884), Schmiede-