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Einführung.
Von Heinrich K r a 1 i k.
Kaum eine andere Oper wurde mit solcher Spannung und Ungeduld erwartet wie der „Prophet" im Paris der Vierzigerjahre; kaum eine andere beschäftigte in so ausgiebiger Weise schon vor der Premiere die Chroniken der Journale, die Stammgäste der Kunstlercafés oder die Habitués mondäner Salons. Lange bevor der „Prophet" auf den weltbedeutenden Brettern erschien, war er der Gegenstand kühnster Prophezeiungen. 1843 hieß es bereits, daß die Partitur vollendet sei; aber erst am 11. April 1849 durfte die in banger Erwartung sich verzehrende Musik- und Theaterwelt die Premiere der Oper erleben.
Meyerbeer hielt sein Werk so lange zurück, weil die Kräfte, die die Pariser Oper ihm zur Verfügung stellte, seinen hohen und höchsten Anforderungen nicht genügten. Während aber der Maestro, im saturierten Bewußtsein seines Weltruhmes, Zeit und Nerven hatte, ruhig zu warten, verzehrten sich die hungrigen Theaterdirektoren, das schau- und hörlustige Publikum und die sanguinischen, allzeit dem Neuen nachjagenden Zeitungsleute in berufsmäßiger Ungeduld. Wer durfte ihnen zumuten, die Hände untätig in den Schoß zu legen und zuzuschauen, bis es dem lieben Gott und dem großen Giacomo gefiele, mit dem einmal versprochenen Werke herauszurücken? Und so sahen die Gerüchtemacher und Legendendichter ein weites Betätigungsfeld offen daliegen; ihr Eifer ließ weder den „Propheten" noch seinen Autor zur Ruhe kommen. Es war förmlich ein Gesellschaftsspiel, auf die Gründe der langen Verzögerung zu raten, von den Herrlichkeiten der neuen Schöpfung zu fabulieren oder auch Behauptungen, Ansichten, Vermutungen aufzustellen, die für Meyerbeer weniger schmeichelhaft waren. Alle Unzufriedenen, alle Feinde und Neider des gewaltigen Beherrschers der