Bővebb ismertető
Der Text
Kein Text der Bibel ist so bekannt und so umstritten wie die Weihnachtsgeschichten der Evangelien. Von den Exegeten entmythologisiert, von der kirchlichen Überlieferung dogmatisiert, müssen diese Erzählungen dem heutigen Leser fremd und widersprüchlich erscheinen, solange er nicht einen Zugang findet, der ihm die eigene Entfremdung und Widersprüchlichkeit von Denken und Gefühl, von Bewußtsein und Unbewußtem zu verstehen und zu überwinden hilft. Im Erbe der Mythen des Alten Ägyptens von der Geburt des göttlichen Menschen durch die Erwählung einer königlichen Jungfrau versucfit die vorliegende Untersuchung, die uralten Bilder vom Geheimnis der Menschwerdung nachzuträumen und betrachtend mitzuvollziehen, so wie sie Jahrtausende vor dem Christentum bereits geahnt und geglaubt wurden. Indem gerade das Lukasevangelium über die ägyptischen Mythen hinaus die Bilder von der Geburt des griechischen Lichtgottes und Arztes Asklepios heranzieht, um das Geheimnis der menschlichen Erlösung zu beschreiben und erfahrbar zu machen, entstehen Texte zwischen Traum und Tag, die sich nur in der schwebenden Sprache von Dichtung und Symbol wirklich verstehen lassen. Um die Geburt des Gottessohnes als real zu setzen, gilt es, die Grenzen zu beseitigen, die uns hindern, Menschen zu sein - die Grenzen zwischen der Wahrheit des Geistes und der Wahrheit des Herzens, zwischen der Wahrheit der Christen und der Wahrheit der Heiden, zwischen der Wahrheit der Reichen und der Wahrheit der Armen. Denn erst wenn der Graben verschwindet, der heute noch Historie und Dogma trennt, werden wir zu einem Glauben zurückfinden, der die Macht hat, die Geschichte des Menschen zum Guten zu wenden.
Dabei konzentrieren wir uns im folgenden allein auf die erzählenden Teile der lukani-schen Kindheitsgeschichte (Lk 1,26-38.39-45.56; 2,1-20.21-40.41-52), die, im Unterschied zu der Tradition von der Geburt Johannes' des Täufers, in sich nicht einheitlich sind, dafür aber gerade in ihrer inneren Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit vor dem Hintergrund der großen mythischen Uberlieferungen der Völker einer besonderen Betrachtung und Beachtung bedürfen und wert sind.
Der Text lautet (in eigener Ubersetzung, die Teile der vorlukanischen Tradition in Kursivschrift)':