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Das letzte Stündlein des Papstes Innocenz des DrittenDer grosse Innocenz lag am Nachmittag des heissen 16. Juni 1216 im erzbischöflichen Palast von Perugia, auf erhöhten Lagern, bei offenen Fenstern in den letzten Zügen. Jäh war es über den blühenden Herrn gekommen und hatte ihn aus grossen Plänen und einem Tisch voll noch nasser, weltregierender Diktate ins, Sterben geworfen. Eine Orange zur Unzeit, Fieber, verwirrter Medikus und der Tod, das ging in einen halben Tag.Er sah vom Kissen aus das Tibertal zu den Gesimsen heraufleuchten und drüben die kleinen Stadtnestlein Assisi, Spello, Foligno und Trevi von den Gebirgshängen winken. Aber reden, schreiben, auch nur noch mit dem Finger deuten konnte der Sterbende nicht mehr. Steif und still lag er da. Unter den Fenstern auf dem Pflaster hörte er die Rosse trampeln, Wagen vorfahren, Eilboten im Galopp den Hügel hinunter nach Rom rasen. Er hörte die Ärzte arabische Phrasen gegeneinander schimpfen und dazu mit ihren langen Röcken rauschen. Und das Hofgesinde und die Prälaten hörte er flüstern: Er ist aus reichem Haus und ein grosser Sparer gewesen. Wer kennt sein Testament? Was vermacht er uns ? - Und übel klang dazu, wie man sich schon um die Schlüssel zu dieser und jener Truhe sorgte. Aber noch viel übler war das fromme, ängstliche Durcheinander anzuhören: Gott, was wird aus unserer heiligen Kirche? - So jung der Kaiser, so furchtbar der Muselmann, so nötig unser Papst wie die Sonne am Himmel! Wer soll seinen Stuhl füllen? Die Welt fällt auseinander. - Das und alle die tausend Geräusche, die das Abtreten eines Grossen und das Kommen des Nachfolgers begleiten, hörte er mit dem so feinen Ohr der Sterbenden. Aber er lachte in seine grosse Seele hinein. Ach, was war doch dies alles für Torheit! Drüben glänzt Assisi. Dort lebt der Mann, der für diesen Augenblick allein noch passt. Wo ist Franciscus, der Bettler? Franciscus her! Ach, wenn er ihn doch rufen könnte!Der stand einmal vor seinem Stuhl in Rom und fragte demütig: Herre Papst, dürfen wir arm sein?