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Was ist ein gelungenes Leben?
Der Materialismus mit seinem Leistungs- und Erfolgsdenken hat ebenso wie das naturwissenschaftliche Weltbild mit seinem Rationalismus unser zu Ende gehendes Jahrhundert entscheidend geprägt. Besitz und Reichtum, Wissen, Anerkennung und hohe Auszeichnungen zählen zu den Belegen eines erfolgreichen Lebens. Aber ist ein solches »erfolgreiches« Leben auch schon ein gelungenes? Ein Leben, in dem wir tatsächlich Erfüllung und Zufriedenheit, Angenommensein und Liebe gefunden haben? Die Ratio, die Vernunft, das Beweisbare und das Greifbare stehen heute fast ausnahmslos im Vordergrund. Auch die Kirchen sind davon beeinflußt. Aktivitäten und Organisationstalent, persönliche Leistung und eigenes Können sind gefragt.
Selbst Pfarrgemeinderatssitzungen und Akademie-Vorträge über den Heiligen Geist beginnen und enden heute sehr oft ohne Gebet. Der Mensch, auch der »moderne Christ«, erwartet die Lösung seiner Probleme von menschlicher Tüchtigkeit.
Dabei müßten wir nur an das Gleichnis Jesu vom Weinstock denken, um wieder einmal daran erinnert zu werden, daß uns ohne ihn »nichts gelingt« (Johannes 15,5).
Die kleine, unscheinbare Klosterfrau Therese von Lisieux - die in der Welt »gar nichts geleistet hatte«, aber nach ihrem Tod zur »Patronin der Weltmission« und zur »Patronin der Priester« ernannt wurde - hat es uns in ihrer schlichten Frömmigkeit gesagt und gezeigt: »Ohne Gott ist alles leerer Aktivismus.« »Ohne mich stolpert ihr«, »ohne mich tappt ihr im Dunkeln«, hat uns Jesus wiederholt erinnert (Johannes 11,10). Und doch versuchen wir weiterhin unser Leben allein zu gestalten, mit eigenem Können für unsere Familien zu sorgen und unsere Gemeinden zu erneuern. Viele Fehlentscheidungen und Konflikte im Alltag des einzelnen und selbst manche Anordnungen der Kirchenleitung stammen aus dieser Überbetonung des eigenen Ich und seiner Ratio. Auch viele unserer Ängste kommen von unserem »ver-sach-lichten« Denken.
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