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Stanistaw Grodziski
Im mitteleuropäischen Raum: zwischen Wien, Prag, Krakau und Lemberg. Vorwort
Mit dem voriiegenden Band wird die Absicht verfolgt, einen weiteren Beitrag zur Geschichte der mitteleuropäischen Kultur beizusteuern. Nicht von ungefähr haben wir uns diesem Forschungsgegenstand zugewandt und wollen nachfolgend kurz auf die Gründe dafür eingehen.
Inter arma silent musae - In der Kriegszeit verstummen die Musen - diese Weisheit der Antike sollte eigentlich noch weiter und radikaler gefasst werden: Die Kultur ließ sich nie in eine Uniform zwängen, sie entzieht sich gamdsätzhch jeglicher „Uniformierung". Ganz im Gegenteil. Sie konnte stets nur auf dem Boden der Pluralität blühen und gedeihen. Nur ein Pluralismus der Sitten und Bräuche, eine ethnische, politische, ja sogar konfessionelle Vielfalt waren der Kultur förderlich. Dies musste aber zugleich eine ungebändigte, sich frei entfaltende Vielfalt sein.
Es war kein Zufall, dass gerade in Griechenland, wo eine der häufigsten Staatsformen die Polis war, eine in der Regel so überschaubare Einheit, dass notfalls alle ihre Bewohner auf der Agora Platz fanden und von den Stadtmauern nicht selten die Grenzen zur nächsten Polis zu erblicken waren, sich Wissenschaft und Kultur in freier Konkurrenz zu ungeahnter Blüte entfalten konnten. Die zivilisatorische Leistung jener zahlreichen Stadtstaaten stellen vielfach bis heute die Grundlage unserer Zivilisation dar. Große Imperien wie Medien und Persien haben zwar den Fortbestand dieser kulturellen Mosaike zeitweilig bedroht, sie aber nicht zu vernichten vermocht. Rom eroberte Griechenland, besiegte es aber nicht, weil es die Kultur der im Kampfe unterlegenen Griechen übernahm und sie bis an die äußersten Grenzen des römischen Imperiums - bis zum Barbaricum hinausgetragen hat.