Bővebb ismertető
M an wird einen besonders starken Eindruck von den Mosaiken des vierten bis sechsten nachchristlichen Jahrhunderts empfangen, wenn man sie zum erstenmal in Ravenna sieht, der italienischen Stadt, die ausserhalb Italiens zu liegen, einem verwunschenen Reich anzugehören scheint. Einst Residenz von Kaisern und Königen, meerbeherrschend, dann versandet und verődet. Die altén Kirchen, soweit sie noch unverándert erhalten sind, liegen seltsam fremd in der stillen Stadt, als warteten sie auf Geisterscharen, die hier bei Nacht zu Göttern der Vorzeit beteten. Dass wir, wenn wir diese Kirchen betreten, uns von einer andern Stimmung ergriffen fühlen, als uns aus denen des Mittelalters oder der neueren Zeit vertraut ist, hángt zum grossen Teil mit den Mosaiken zusammen, die jene schmücken. W ir sind gewohnt, die Geschichten des Altén und namentlich des Neuen Testamentes in anderer Auffassung dargestellt zu sehen als uns hier begegnet. Wir sehen Christus wohl hoheitsvoller, seelenvoller, machtvoller als alle andern, aber doch als Mensch unter Menschen wandeln ; selbst der von Michelangelo gemalte zerschmetternde Richter ist durchaus Mensch, wenn auch ein Furcht und Ehrfurcht einflössender. Die Mosaiken zeigen uns die Gottheit in ihrerMajestát und Unergründlichkeit, in ihrer grenzenlosen Ferne. Sie wecken dadurch im Beschauer die religiösen Gefühle, die vielleicht die ursprünglichen sind: den Schauder vor dem Jenseitigen, dem Heiligen, Rátselhaflen, vor dem überall gegenwártigen, nirgend sichtbaren, nicht benennbaren Gott. Zum Teil wird dieser Eindruck dadurch erzielt, dass der Göttliche vorzugsweise in Symbolen dargestellt wird, die zu sagen scheinen: Gott ist zu hoch und zu fern, als dass du dies begreifen könntest. Das Ewige Feuer würde dich verzehren, wenn du es wagen solltest, ihn anzuschauen, nur in Bildern sollst du ihn erkennen I