Bővebb ismertető
I.
Vielleicht kein Wort hat in der Geschichte der Neuzeit eine so bedeutende Rolle gespielt wie das Wort Demokratie. Für viele ist es zum Gegenstand der Furcht und des Widerwillens geworden. Aber unzählig sind die, denen es als glückverheissende Losung gegolten hat und gilt. Noch im Weltkrieg haben sich die Gegner der Zentralmächte dieser zauberischen Parole bemächtigt, um ihrer Sache einen blendenden Anstrich zu geben. Im engeren Sinn bedeutet Demokratie selbstverständlich eine Form der Regierung, an der das Volk einen überwiegenden unmittelbaren oder mittelbaren Anteil hat. Mit Recht hat sich daher seinerzeit Tocqueville gegen die täuschende Bezeichnung des zweiten napoleonischen Kaiserreichs als einer demokratischen Regierung aufgelehnt, wiewohl er am wenigsten der Mann war, den demokratischen gesellschaftlichen Unterbau des zäsaristischen Staatswesens zu verkennen. Der Erforscher des Ursprungs und der Ausbreitung der demokratischen Ideen in den letzten vier Jahrhunderten wird sich jedoch nicht lediglich auf die Darstellung ihrer Ausprägung in demokratischer Regierungsgewalt beschränken dürfen. Er wird ihrem Zusammenhang mit dem gesamten geistigen Leben nachgehen müssen. Er wird der Frage nicht ausweichen dürfen, inwiefern sie durch wirtschaftliche Zustände gefördert oder behindert worden sind. Er wird sein Augenmerk nicht weniger auf die sozialen als auf die pohtischen Umwandlungen zu richten haben. Seine Aufgabe greift über die Betrachtung und Würdigung von Gesetzen und Institutionen hinaus. Sie hat es mit Aufsuchung der tieferen Gründe zu tun, aus denen diese erst im Lauf der Generationen trotz zahlreicher Hemmnisse und Rückschläge erwachsen sind.
Von diesem Standpunkt aus wird es sich rechtfertigen, in Renaissance und Humanismus die ersten wirksamen Kräfte zu sehen, die ein Vordringen demokratischer Ideen begünstigten. Mit der Wiedererweckung des Altertums, mit der Entwicklung des Individuums, mit der Entdeckung der Welt und des Menschen, um Jakob Burckhardts Stichworte zu gebrauchen, erschütterten Renaissance und Humanismus die ständisch gegliederte Gesellschaft des Mittelalters. Die Er-