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Von Ferne sei herzlich gegrüjíet, Du stílles Gelande am See, Wo spielend die Welle zerfliefíet, Genahret vom ewigen Schnee. Hier standén die Vater zusammen, Für Freiheit und heimisches Gut, Und schwuren beim heiligsten Namen, Zu stürzen der Zivingherren Brut. Drum, Rütli, sei freundlich gegrüfíet, Dein Name wird nimmer vergehn, So lange der Rhein uns noch fliefiet, So lange die Alpen bestehn. H. Krauer (1792 bis 1845) Wie eine Erinnerung aus ferner Kindheit mag das Lied vom Rütli dem erwachsenen Schweizer unserer Zeit erscheinen. Er sieht den weifíen Bug des majestatischen VierwaldstatterseeDampfers die tiefblaue Flut zerteilen, die Welle spielt um das bewaldete und felsige Ufer mit der stillen Wiese, die rote Fahne mit dem weiBen Kreuz leuchtet im glitzernden Lichte des heifien Föhntags, und hell und sorglos tönt das Lied der Kinder auf der Schulreise. Vielleicht beginnt die Phantasie zu arbeiten. Der vielarmige See versinkt im Halbdunkel wenig erhellter geschichtlicher Frühzeit. Nebel liegen über den Wassern - aus dem fröhlichen Dampfer wird ein dunkler, groBer Nauen, der mit herabhangendem Segel lautlos über die Fláche gleitet. Auf der Wiese des Rütlis stehen die Manner der Widerstandsbewegung in geheimer náchtlicher Beratung, beurteilen die Lage und schmieden Pláne. Krieg. Unsagliche Not liegt über dem Lande, die Táler widerhallen vom Waffenlárm - und dann schieKen jah die Flammen empor aus den gebrochenen Burgen: die Geburtsstunde der Freiheit eines kleinen Volkes. Geschichtliche Wirklichkeit? Die Geschichtsforschungdes letzten Jahrhunderts hat sie verneint. Die heutige Wissenschaft urteilt anders. Auf immer strömt eine unwiderstehliche Kraft aus den Statten, die mit der Gründung der Eidgenossenschaft der drei Lánder am See zusammenhangen. In schwerer Zeit, am 25. Juli 1940, hat General Guisan auf dem Rütli die Kommandanten der Heereseinheiten und Truppenkörper der schweizerischen Armee versammelt, und von diesem Orte gingen wieder Zuversicht und der Wille zum unbedingten Widerstande aus. Für Millionen von Menschen, die heute in Knechtschaft leben, ist Schillers Wilhelm Tell der flammende Aufruf zur Freiheit.